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Bornewasserstraße und Matthias-Wehr-Straße: Opferverein fordert Umbenennung

Opferverein Missbit fordert nach Uni-Trier-Studie zu Missbrauch im Bistum die Umbenennung der Bornewasserstraße und Matthias-Wehr-Straße in Trier.

Redaktion
·
3. November 2026
Zuletzt aktualisiert: vor 3 Stunden

Zwei Straßennamen, eine belastete Geschichte

Wer durch Trier geht, läuft an Straßenschildern vorbei, die mehr erzählen, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Die Bornewasserstraße und die Matthias-Wehr-Straße erinnern an zwei Bischöfe, die das Bistum Trier über Jahrzehnte prägten. Jetzt steht ihr Erbe auf dem Prüfstand – und mit ihm die Frage, ob ihre Namen weiter im Stadtbild stehen bleiben sollen.

Der Opferverein Missbit fordert die Umbenennung beider Straßen. Grundlage dafür ist eine wissenschaftliche Studie der Universität Trier, die ein düsteres Kapitel der Bistumsgeschichte aufarbeitet.

Was die Studie offenlegt

Der vierte Zwischenbericht zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Bistum Trier, verfasst von Lena Haase und Lutz Raphael, dokumentiert den Zeitraum zwischen 1946 und 1966 – also die Amtszeiten von Franz Rudolf Bornewasser (1922 bis 1951) und Matthias Wehr (1951 bis 1966). Die Zahlen, die der Bericht nennt, sind erschütternd: mindestens 335 Betroffene von sexuellem Missbrauch. Fast jeder achte in dieser Zeit geweihte Priester sah sich demnach Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens ausgesetzt.

Die Autoren stützen sich auf umfangreiche Archivrecherchen sowie Interviews mit Betroffenen und kirchlichen Verantwortlichen. Ihr Befund: Unter beiden Bischöfen habe sich ein System etabliert, das von Schweigen, mangelnder Rechenschaft und dem Schutz des kirchlichen Ansehens geprägt war – oft auf Kosten der Opfer. Der Bericht legt Fallstudien bekannter Täter offen und zeigt, wie kirchliche Autoritäten wiederholt unzureichend reagierten. Das Ergebnis sei ein von Klerikalismus durchdrungenes System, das Täter vor Konsequenzen abschirmte, anstatt Betroffene zu schützen.

Die Studie ist Teil eines größeren Forschungsprojekts, das seit 2022 an der Universität Trier läuft und den Missbrauch im Bistum Trier zwischen 1946 und 2021 systematisch aufarbeitet. Die aktuellen Erkenntnisse zu Bornewasser und Wehr reihen sich damit in eine längere Recherche-Arbeit ein, die bereits zuvor Licht auf dunkle Kapitel der Bistumsgeschichte geworfen hat – etwa auf die Frage, wie das Bistum mit Missbrauchspriestern im Ausland umging, wie ein früherer Bericht des Trierischen Volksfreund beschreibt.

Die Forderung des Opfervereins

Für den Opferverein Missbit ist die Faktenlage eindeutig genug, um politisch zu handeln. Nach Veröffentlichung der Studienergebnisse sieht der Verein dringenden Handlungsbedarf bei der Lokalpolitik und fordert, dass die Namen Bornewasser und Wehr aus dem Trierer Straßenbild verschwinden. Namen im öffentlichen Raum sind nie nur Orientierung – sie sind auch Anerkennung. Wessen Name auf einem Straßenschild steht, dem spricht eine Stadt implizit Respekt zu. Genau an diesem Punkt setzt die Kritik des Opfervereins an, wie auch der Trierische Volksfreund berichtet.

Wie die Stadtverwaltung reagiert

Die Stadtverwaltung Trier hat das Anliegen aufgenommen, ohne vorschnell ein Urteil zu fällen. Sie hat die neu eingerichtete ständige Fachkommission für Straßenbenennungen gebeten, eine historische Bewertung der Causa vorzunehmen und eine fachliche Einschätzung zu liefern. Dieses Gremium prüft Straßennamen im Lichte neuer historischer Erkenntnisse – ein Verfahren, das in vielen deutschen Städten inzwischen etabliert ist, wenn Namenspatrone nachträglich in einem problematischen Licht erscheinen.

Eine Entscheidung über die Zukunft der Bornewasserstraße und der Matthias-Wehr-Straße steht damit noch aus. Die Fachkommission wird die Studienergebnisse, die Haltung des Bistums sowie die historische Einordnung beider Bischöfe in ihre Bewertung einbeziehen müssen, bevor die Lokalpolitik eine Entscheidung trifft.

Was von dem Fall bleibt

Trier trägt seine Geschichte auf der Haut – auch die unbequemen Kapitel. Die Debatte um Bornewasser und Wehr zeigt, wie eng Stadtgeschichte und Kirchengeschichte in Trier miteinander verwoben sind, und wie schwer es wiegt, wenn wissenschaftliche Aufarbeitung auf gewachsene Erinnerungskultur trifft. Was am Ende aus den beiden Straßennamen wird, ist offen. Klar ist: Die Forderung des Opfervereins hat eine Debatte losgetreten, die über die Straßenschilder hinausweist -hin zu der Frage, wie eine Stadt mit dem Erbe von Macht, Schweigen und Vertuschung umgeht.

Quellen

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