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Bühne frei für mehr Inklusion im Theater – So engagiert sich die Region Trier

Das com.guck Theater Trier probt „Heidi“ und steht für gelebte Inklusion auf der Bühne. Erfahrt, was Theater in der Region für Menschen mit Behinderung tun.

Redaktion
·
16. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 2 Wochen

Inklusion auf der Bühne: Ein Thema, das bewegt

Theater ist für alle da – zumindest sollte es das sein. In der Region Trier und darüber hinaus setzen sich immer mehr Ensembles, Initiativen und Institutionen dafür ein, dass Menschen mit Behinderung nicht nur im Publikum sitzen, sondern aktiv auf der Bühne stehen. Das inklusive Ensemble des com.guck Theaters Trier zeigt eindrucksvoll, wie gelebte Inklusion im Theaterbetrieb aussehen kann – und was noch zu tun bleibt.

com.guck Theater Trier probt „Heidi“

Im kleinen Saal des Kulturzentrums Tuchfabrik in Trier herrscht konzentrierte Probenatmosphäre. Das inklusive Ensemble des com.guck Theaters Trier arbeitet derzeit an seinem nächsten Stück: „Heidi“ – die Geschichte des kleinen Mädchens aus der Schweiz, das von ihrer Tante erst zu ihrem Großvater auf eine Alm und dann nach Frankfurt am Main gebracht wird. Am 25. September ist Premiere.

Die Wahl des Stoffs ist kein Zufall, erklärt Regisseurin Monika Kukawka: „Sie wird versetzt, sie wird gar nicht gefragt, sie ist nicht involviert.“ Dieses Motiv des ungefragt Hin- und Hergeschobenwerdens sei etwas, das viele Mitglieder des Ensembles aus dem eigenen Leben kennen. „Heidi“ ist damit weit mehr als ein Kinderbuchklassiker – es ist ein Statement für Freiheit und Selbstbestimmung.

Die Gruppe probt einzelne Szenen, feilt gemeinsam am Text und experimentiert, wie bestimmte Situationen auf der Bühne dargestellt werden können. Die Freude am Spiel ist bei allen Beteiligten spürbar.

Matteo Wilbert: Jung, talentiert und leidenschaftlicher Theaterspieler

Einer der engagiertesten Darsteller im Ensemble ist Matteo Wilbert. Der 18-Jährige spielt im Stück die Rolle des Kammerdieners Sebastian und probt außerdem für ein Gesangssolo. Bemerkenswert: Matteo gehört bereits seit acht Jahren zum Ensemble des com.guck Theaters Trier. Er liebt das Theater, hat viele Musicals gesehen und könnte sich durchaus vorstellen, Schauspiel zu seinem Beruf zu machen.

Doch der Weg dahin ist für ihn mit großen Hürden verbunden. Eine professionelle Ausbildung würde bedeuten, allein in eine weit entfernte Großstadt wie Köln, Stuttgart oder Berlin zu ziehen. So arbeitet Matteo nach seinem Schulabschluss in einem Lebensmittelmarkt – und das Schauspiel bleibt sein geliebtes Hobby. Bei com.guck fühlt er sich wohl und gut aufgehoben.

Initiativen für eine professionelle inklusive Schauspielausbildung

Wer als Mensch mit Behinderung den Schritt in eine professionelle Schauspielausbildung wagen möchte, hat außerhalb von Rheinland-Pfalz mehr Möglichkeiten. Der Bühnenkunstsalon Köln ist eine Initiative, die genau hier ansetzt: Sie bietet einjährige Kurse für junge Talente mit Behinderung an und schafft damit Zugänge zu einer professionellen Ausbildung im Schauspiel.

Darüber hinaus ermöglicht das Programm „Writers Room“ des Bühnenkunstsalons jungen Autorinnen und Autoren, gemeinsam mit Profis ein inklusives Theaterstück zu entwickeln. Das entstehende Stück soll nächstes Jahr am Schauspiel Köln aufgeführt werden. Mit dabei ist Teresa Knopp aus Koblenz – die 30-Jährige schreibt leidenschaftlich gern und setzt sich bereits seit Jahren für mehr Inklusion ein. Der Bühnenkunstsalon pflegt außerdem Kooperationen mit renommierten Häusern wie dem Schauspiel Köln und der Schauspielausbildung der Folkwang Universität in Bochum und Essen.

Inklusive Schauspielagentur: Rollenfang vermittelt bundesweit

Auch auf dem Weg in den professionellen Theaterbetrieb gibt es Unterstützung: Die Berliner Agentur Rollenfang sieht sich als Plattform für mehr Inklusion auf Theaterbühnen sowie bei Film und Fernsehen. Sie vermittelt bundesweit Schauspielerinnen und Schauspieler mit Handicap. Der Schauspieler Michael Schirrmacher aus Kaiserslautern hat mit der Agentur bereits gute Erfahrungen gemacht. Rollenfang berät zudem Theater und Filmproduktionen und engagiert sich für mehr inklusive Drehbücher.

Was das Theater Trier für Inklusion tut

Auch das Theater Trier macht Inklusion zu einem festen Bestandteil seines Programms – vor allem im Bereich der Theaterpädagogik. Es gibt Patenschaftsprogramme, bei denen Schulklassen eine Schauspielproduktion begleiten. Besonders spannend: Im November feiert eine Zusammenarbeit mit der inklusiven Trierer Tanzgruppe Beweggrund Premiere. Das Tanzstück „In Between“ bringt Mitglieder des Ensembles Beweggrund und der Ballettcompany des Theaters Trier gemeinsam auf die Bühne. Premiere ist am 13. November in der Tufa Trier.

Maja Hehlen, die das inklusive Tanzensemble Beweggrund vor mehr als 25 Jahren mitbegründet hat, bringt es auf den Punkt: „Die Gesellschaft behindert, nicht die Person ist behindert.“ In den vergangenen Jahren habe sich auf der Bühne einiges getan – doch es sei noch viel Luft nach oben, was die künstlerischen Möglichkeiten von Menschen mit Behinderung betrifft. Wirkliche Inklusion sei erst erreicht, wenn sie selbstverständlich in allen Bereichen gelebt werde.

Inklusive Theaterfestivals in Rheinland-Pfalz

Auch auf Festivalebene tut sich einiges in der Region. Im Theater Mainz wird am 24. September das Festival „Grenzenlos Kultur“ eröffnet. Bis zum 4. Oktober treten inklusive Theatergruppen aus verschiedenen Ländern auf. Christine Schelhas, eine der Leiterinnen des Festivals, betont: Wenn Inklusion sichtbar ist, macht das auch Mut. Das Staatstheater Mainz betrachtet Inklusion als Aufgabe für den gesamten Theaterbetrieb – inklusive künstlerische Arbeit als Selbstverständlichkeit, wofür auch Inszenierungen wie „Schlagerträume“ stehen.

In Kaiserslautern macht das von der Lebenshilfe Kunst und Kultur gGmbH organisierte Festival „Alles muss Raus!“ von sich reden: Drei Tage lang bietet es umsonst und draußen ein inklusives Programm und lockte zuletzt rund 16.000 Besucherinnen und Besucher an. Auch das Format B!nk – Begegnung in der Kunst, das im Juni gemeinsam mit dem Pfalztheater Kaiserslautern stattfand, setzt in Sachen Inklusion einiges in Bewegung. Das Pfalztheater Kaiserslautern bietet außerdem einen inklusiven Spielclub für junge Menschen an.

Theater für alle – noch ein weiter Weg

Viele Theater engagieren sich dafür, Barrieren für ihr Publikum abzubauen. Das Staatstheater Mainz bietet zum Beispiel Hörverstärkung, Audiodeskription und Gebärdensprachdolmetscher in den Vorstellungen. Das Pfalztheater Kaiserslautern beschäftigt sich mit einem System für Übertitel in Leichter Sprache oder anderen Sprachen.

Doch trotz aller Fortschritte bleibt noch viel zu tun. Theater für alle ist die Devise – doch die Realität zeigt, dass für viele Menschen schon der Weg von Zuhause zum Theater und zurück eine unüberwindbare Hürde darstellt. Es braucht weiterhin Engagement, kreative Lösungen und den politischen Willen, Inklusion nicht als Ausnahme, sondern als Selbstverständlichkeit zu begreifen. Das com.guck Theater Trier, das Theater Trier und viele weitere Akteure in der Region sind auf diesem Weg bereits ein großes Stück vorangekommen – und laden alle Interessierten ein, Teil dieser Entwicklung zu werden.

Quellen


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