Studio-Hotline 0651/4628840

Alkoholverbot an Bahnhöfen: Was sich für Reisende jetzt ändert

Ab sofort gilt an allen Bahnhöfen in Deutschland ein Alkoholverbot – auch in Rheinland-Pfalz. Wir erklären die neuen Regeln und was Reisende jetzt wissen…

Redaktion
·
15. Oktober 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Woche

Bundesweites Alkoholverbot an allen Bahnhöfen in Kraft

Seit Mitternacht gilt an allen rund 5.700 Bahnhöfen der Deutschen Bahn in Deutschland ein Alkoholverbot – und damit auch an den Stationen in Rheinland-Pfalz. Was bislang nur an ausgewählten großen Bahnhöfen galt, ist nun bundesweiter Standard. Der Konsum von Bier, Wein und anderen alkoholischen Getränken ist im gesamten Bahnhofsbereich untersagt, inklusive der Bahnsteige. Wie die Deutsche Bahn mitteilte, zählen in einigen Kommunen auch Vorplätze dazu, die der DB gehören. Ausnahmen kann es dort geben, wo Bahnhofsgebäude nicht im Eigentum der Deutschen Bahn stehen.

Was genau verboten ist – und was nicht

Grundsätzlich bleibt es erlaubt, Alkohol mit sich zu führen – getrunken werden darf er im Bahnhofsbereich aber nicht mehr. Ausgenommen von der Regelung sind die gastronomischen Betriebe in den Bahnhöfen, dort darf weiterhin Alkohol verkauft und konsumiert werden. Auch in den Zügen selbst ändert sich zunächst nichts: In der Regel darf dort weiter Alkohol getrunken werden, in den Bordbistros der Fernzüge verkauft die Bahn ihn sogar selbst. Allerdings gelten im Regionalverkehr bereits jetzt vielerorts eigene Regeln. In einigen Verkehrsverbünden, etwa in Hamburg, Köln, München oder Nürnberg, ist der Alkoholkonsum in Regionalbahnen schon länger generell untersagt. Auch manche Privatbahnen setzen seit Jahren auf solche Verbote.

Auslöser war ein Vorfall in Baden-Württemberg

Anlass für die bundesweite Ausweitung des Verbots war laut Deutscher Bahn ein Vorfall in Baden-Württemberg. Im Juli wurde ein 26 Jahre alter Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn bei einer Ticketkontrolle in einem Regionalzug nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft von einem 36 Jahre alten Fahrgast geschlagen und getreten. Während des Gerangels gab die Zugtür nach, der Bahnmitarbeiter stürzte durch einen Spalt aus dem fahrenden Zug. Der 36-Jährige soll alkoholisiert gewesen sein. Bahnchefin Evelyn Palla kündigte damals an: „Wir greifen durch. Wir verbannen das Alkoholtrinken aus unseren Bahnhöfen.“

Kontrollen mit Augenmaß statt flächendeckender Durchsetzung

Das Verbot ist Teil des Hausrechts der Deutschen Bahn, wodurch die eigenen Sicherheitskräfte eine rechtliche Handhabe erhalten. Bei ihren Kontrollgängen sollen sie Personen ansprechen, die gegen die Regel verstoßen. Bahnsprecherin Anja Bröker erklärte, wer sich nicht daran halte, werde „mit Augenmaß“ angesprochen. Im schlimmsten Fall könnten ein Hausverweis oder sogar ein Hausverbot folgen. Für eine flächendeckende Kontrolle müsste die Bahn allerdings deutlich mehr Sicherheitspersonal einstellen – das ist derzeit nicht geplant. Auch die Bundespolizei, die für die Bahnhöfe zuständig ist, dürfte angesichts bekannter Personalengpässe nur bei Konflikten hinzugerufen werden, nicht aber flächendeckend kontrollieren.

Besonders auf die Probe gestellt wird die neue Regel nach Einschätzung der Bahn an Tagen mit Großveranstaltungen, etwa bei Spieltagen der Fußball-Bundesliga, wenn Zehntausende Fans mit Bier oder anderem Alkohol mit der Bahn unterwegs sind. „Das Alkoholkonsumverbot gilt an den Bahnhöfen an jedem Tag, auch an dem Tag von Großveranstaltungen“, sagte Bröker. Auch dann werde mit Fingerspitzengefühl und Augenmaß vorgegangen. Selbst das klassische Feierabendbier auf dem Bahnsteig ist künftig tabu: Wer damit unterwegs ist, werde angesprochen und darauf hingewiesen, dass es künftig woanders getrunken werden müsse.

Erfahrungen von bestehenden Verboten sind positiv

An knapp 40 großen Bahnhöfen in Deutschland gilt ein Alkoholverbot bereits seit längerem, darunter die Hauptbahnhöfe in Köln, Kiel, Heidelberg, München, Hamburg und Berlin. Die Erfahrungen damit fallen laut Deutscher Bahn positiv aus: Das Verbot sorge für weniger Konflikte und weniger Müll, Reisende und Mitarbeitende fühlten sich an den Bahnhöfen wohler, so Bröker.

Bahnhofsmission warnt vor Ungleichbehandlung

Mirko Schwärzel aus der Bundesgeschäftsführung der Bahnhofsmission betonte bei einem gemeinsamen Pressetermin mit der Deutschen Bahn, die Umsetzung des Verbots dürfe nicht zu Ungleichbehandlung und Stigmatisierung führen. „Die Regeln müssen dann auch für alle gelten“, sagte er. Feiernde und Fußballfans müssten ebenso behandelt werden wie wohnungs- und obdachlose Menschen. Zudem warnte Schwärzel vor einer Verdrängung des Alkoholkonsums ins Bahnhofsumfeld. Grundsätzlich unterstütze die Bahnhofsmission die Initiative der Deutschen Bahn aber.

Mehrheit der Deutschen befürwortet das Verbot

Nach Angaben einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov, die der Rheinpfalz vorliegt, glaubt die Mehrheit der Deutschen, dass ein Alkoholverbot an Bahnhöfen und Bahnsteigen die Sicherheit an diesen Orten etwas oder deutlich erhöhen würde. Bei der Befragung im Juli gaben dies 58 Prozent der Teilnehmenden an, während 37 Prozent dies kaum oder überhaupt nicht glauben. 5 Prozent machten keine Angabe. Für die Umfrage wurden den Angaben zufolge 2.684 Personen in Deutschland ab 18 Jahren befragt.

Kein generelles Alkoholverbot in Zügen geplant

Ein bundesweites Alkoholverbot auch in Zügen ist derzeit nicht vorgesehen. Mitgebrachter Alkohol darf an Bord weiterhin getrunken werden, sofern dies in einem angemessenen Rahmen geschieht und Mitreisende nicht gestört werden. Entscheidend sei die gegenseitige Rücksichtnahme, hieß es seitens der Deutschen Bahn. Wer andere Fahrgäste gefährdet oder die Sicherheit und Ordnung des Betriebs stört, kann allerdings schon jetzt des Zuges verwiesen werden.

Für Reisende in Rheinland-Pfalz bedeutet die neue Regel: Wer an einem der zahlreichen Bahnhöfe im Land unterwegs ist, sollte das Feierabendbier künftig lieber erst im Zug oder zu Hause öffnen. Auf dem Bahnsteig selbst heißt es ab sofort: Alkohol ja – aber bitte nicht trinken.

Quellen


Artikel teilen
Hilf uns, lokale Nachrichten zu verbreiten.

Dein Beitrag für Antenne Trier

Ob Meinung, Hinweis oder persönliche Geschichte: Reiche deinen Kommentar ein. Unsere Redaktion prüft deinen Beitrag vor der Veröffentlichung.

Das könnte dich auch interessieren

Diskutiere mit!
Anonym und ganz ohne Anmeldezwang!
Alle Kommentare werden von unserer Redaktion im Vorfeld geprüft.
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

1
Kontakt
2
Unterlagen
3
Datenschutz
WhatsApp
Datenschutz*

Kontaktformular

Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.