
Erstmals absolvierte eine Trierer Auszubildende eine Verwaltungshospitanz in der Partnerstadt Ascoli Piceno. Alle Infos zum besonderen Austauschprojekt hier.
Es ist ein Meilenstein in der Geschichte der Städtepartnerschaften Triers: In diesem Sommer war erstmals eine städtische Nachwuchskraft aus Trier für eine Verwaltungshospitanz in der italienischen Partnerstadt Ascoli Piceno zu Gast. Die 23-jährige Ilenia D’Acri absolvierte dort sechs Wochen lang ein Praktikum in der Stadtverwaltung – und hat damit Geschichte geschrieben.
Die angehende Verwaltungswirtin brachte für diesen besonderen Einsatz gleich mehrere persönliche Voraussetzungen mit. Ihre Eltern stammen aus der italienischen Region Kalabrien und kamen in den 90er Jahren nach Trier, wo Ilenia D’Acri geboren wurde. In ihrer Familie wird regelmäßig Italienisch gesprochen – eine Grundlage, die sich während des Aufenthalts als unschätzbar wertvoll erweisen sollte.
Den Anstoß für das Projekt gaben die Einführungstage im Jahr 2025 für neue Anwärterinnen, Anwärter und Auszubildende der Trierer Stadtverwaltung. Dort wurde auf die grundsätzliche Möglichkeit einer Verwaltungshospitanz in einer der Partnerstädte hingewiesen. D’Acri ließ sich von Berichten von Kolleginnen und Kollegen inspirieren, die bereits in anderen Partnerstädten – etwa in Fort Worth – ihre Erfahrungen gemacht hatten: „Nachdem Kolleginnen und Kollegen, die zum Beispiel in Fort Worth waren, von ihren Erfahrungen berichteten, habe ich mich für Ascoli Piceno interessiert. Das war für mich naheliegend.“
Den ersten offiziellen Kontakt zur Verwaltung in Ascoli Piceno stellten die Ausbildungsabteilung im Personalamt sowie die Abteilung Protokoll/Städtepartnerschaften im Presseamt her. D’Acri reichte ihre Unterlagen auf Italienisch ein – und bekam die Zusage. Flug und Unterkunft organisierte sie eigenständig, wobei die Wohnungssuche eine besondere Herausforderung darstellte: Ihr sechswöchiger Aufenthalt fiel mitten in die Hochsaison im Juli und August, was die Nachfrage und damit auch die Preise deutlich in die Höhe trieb. Letztlich übernachtete sie in drei verschiedenen Unterkünften.
In Ascoli Piceno wurde D’Acri im sogenannten „Ufficio Relazioni con il Pubblico“ eingesetzt – eine Dienststelle, die sich am ehesten als Mischung aus den Trierer Bürgerdiensten und der Service-Hotline 115 beschreiben lässt. Die deutsche Bezeichnung „Büro für Öffentlichkeitsarbeit“ trifft es nach Einschätzung der Auszubildenden nicht ganz.
Besonders aufschlussreich war der Vergleich mit der digitalen Infrastruktur in Trier: „In Ascoli ist die Digitalisierung, zum Beispiel bei der Terminvergabe für einen neuen Pass oder ein KfZ-Kennzeichen, noch nicht so weit fortgeschritten wie bei uns“, berichtet D’Acri. In dem Büro, in dem sie tätig war, konnten sich Bürgerinnen und Bürger spontan und ohne vorherigen Termin mit allen möglichen Anliegen melden. Zwar gebe es auch ein Online-Portal für die Terminvergabe, das werde aber noch nicht so intensiv genutzt wie in Trier.
Dass D’Acri derzeit eine Ausbildungsstation bei den Trierer Bürgerdiensten absolviert, erwies sich als großer Vorteil: Sie konnte Strukturen und Abläufe vergleichen und ihr deutsches Verwaltungswissen mit den Gegebenheiten in Italien in Bezug setzen.
Ihre sehr guten Italienischkenntnisse erwiesen sich in Ascoli Piceno als unverzichtbar. D’Acri betont, dass eine Hospitanz in der italienischen Partnerstadt mit reinen Englischkenntnissen schwierig werden könnte: „Das zeigte sich etwa daran, dass fast alle Aushänge und Informationen im dortigen Rathaus nur in Italienisch verfasst sind.“ Gleichzeitig war es für sie ein besonderes Erlebnis, die Sprache wieder täglich im Arbeitsalltag zu nutzen – auch wenn der in Ascoli Piceno gesprochene Dialekt sich von dem aus Kalabrien bekannten unterscheidet.
Neben dem Berufsalltag genoss D’Acri auch die kulturellen und landschaftlichen Vorzüge der Region. Das Meer ist von Ascoli Piceno aus in rund 30 Minuten erreichbar, und im Sommer prägen zahlreiche Kulturveranstaltungen das Leben in der Partnerstadt. Die Region Marken, zu der Ascoli Piceno gehört, war für die Trierin bis dahin Neuland: „Ich kannte die Marken, wozu Ascoli Piceno gehört, noch nicht. Es gibt deutliche Unterschiede zu Kalabrien, der Heimat meiner Eltern.“
Nach ihrer Rückkehr zieht Ilenia D’Acri ein rundum positives Fazit und spricht eine klare Empfehlung aus: „Man kann eine ganze neue Kultur kennenlernen und viele spannende Erfahrungen sammeln.“ Sie würde anderen Nachwuchskräften der Trierer Stadtverwaltung unbedingt einen Aufenthalt in einer der Partnerstädte ans Herz legen.
Das Pilotprojekt zeigt eindrucksvoll, wie Städtepartnerschaften über symbolische Freundschaftsgesten hinausgehen und konkret gelebter Austausch werden können – zum Vorteil der Auszubildenden, der beteiligten Verwaltungen und letztlich auch der Städte selbst. Mehr Informationen zu dem Projekt finden Sie direkt auf der offiziellen Seite der Stadt Trier.






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