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Fußverkehrs-Check im Karl-Marx-Viertel: Viel Verbesserungspotenzial entdeckt

Der Fußverkehrs-Check im Karl-Marx-Viertel Trier zeigt: Enge Gehsteige, kurze Ampelphasen und fehlende Zebrastreifen fordern dringend Verbesserungen für…

Redaktion
·
24. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Monat

Praxistest im Karl-Marx-Viertel: Wo Fußgänger an ihre Grenzen stoßen

Enge Gehsteige, kurze Ampelphasen und fehlende Zebrastreifen – das Karl-Marx-Viertel in Trier hat aus der Perspektive von Fußgängerinnen und Fußgängern erheblichen Nachholbedarf. Das ist das zentrale Ergebnis zweier öffentlicher Begehungen, die im Rahmen des sogenannten Fußverkehrs-Checks in der vergangenen Woche stattfanden. Nach einem eher theoretischen Auftaktworkshop im Juni stand nun der Praxistest auf dem Programm – und der fiel aufschlussreich aus.

Rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten den Einladungen zu den beiden Touren durch das Viertel. Vorbereitet und begleitet wurden die Veranstaltungen von Andrea Fromberg und Dominik Kerl vom beauftragten Fachbüro VIA aus Köln. Auch auf politischer Ebene war das Interesse groß: Neben Baudezernent Dr. Thilo Becker nahm Staatssekretär Daniel Stich vom Landesministerium für Wirtschaft, Tourismus, Energie und Klima an den Begehungen teil.

Warum gerade das Karl-Marx-Viertel unter der Lupe steht

Die Wahl des Untersuchungsgebiets war kein Zufall. Das Karl-Marx-Viertel wurde unter anderem wegen des neuen Bahnhaltepunkts in Trier-West als Untersuchungsraum ausgewählt. Durch die zusätzliche ÖPNV-Anbindung gewinnt die Römerbrücke sowie die Karl-Marx- und die Brückenstraße als Fußverkehrsachse an Bedeutung – über diese Route sind vielfältige Nutzungen der Innenstadt auf kurzem Weg erreichbar. Gleichzeitig bildet diese Achse derzeit die einzige Zufahrt für den Kfz-Verkehr aus der Innenstadt auf die Römerbrücke, was zu zusätzlichen Belastungen für zu Fuß Gehende führt.

Staatssekretär Daniel Stich brachte das Ziel des Programms auf den Punkt: „Beim Fußverkehrs-Check geht es darum, die Expertise der Bürgerinnen und Bürger zu nutzen, um mehr Menschen in unsere Innenstädte zu bekommen, indem wir die Attraktivität und das Erscheinungsbild verbessern.“ Die Landesregierung finanziert die Fußverkehrs-Checks, für die sich die Stadt Trier erfolgreich beworben hatte.

Erste Tour: Vom Mediaforum zur Römerbrücke

Die erste Begehung führte vom Mediaforum am westlichen Moselufer über die Römerbrücke sowie die Karl-Marx- und Brückenstraße zum Heuschreckbrunnen, mit einem Abstecher in die Feldstraße. Entlang dieser Route wurden zahlreiche Problempunkte aus dem Alltag der Menschen sichtbar.

Theresa Frankenberg, die erst vor drei Monaten in das Karl-Marx-Viertel gezogen ist, schilderte ihre persönlichen Erfahrungen deutlich: „Meine Alltagserfahrung ist, dass es hier viel zu viel Autoverkehr gibt, für den in den engen Straßen eigentlich gar keine Kapazität vorhanden ist. Als Folge gibt es dann Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern. Auch für Touristen auf dem Weg zur Römerbrücke wäre eine Verkehrsberuhigung sicher attraktiv.“

Auch der Verkehrsplaner Roland Trapp, der aus fachlichem Interesse an den Touren teilnahm, zog ein kritisches Fazit: „Aus meiner Sicht gibt es in dem Viertel einen großen Handlungsbedarf in puncto Fußverkehr. Wir haben zum Beispiel sehr fußgängerunfreundliche Ampelschaltungen gesehen. Und die Parkplätze am Straßenrand nehmen sehr viel Platz in Anspruch.“

Einen positiven Akzent setzte das 2018 neu gestaltete „Karl-Marx-Plätzchen“ an der Ecke Brücken- und Jüdemerstraße: Die gut beschatteten Sitzbänke dort wurden von den Teilnehmenden ausdrücklich gelobt – ein Beispiel dafür, wie eine gelungene Gestaltung die Aufenthaltsqualität im Viertel verbessern kann.

Zweite Tour: Ein angenehmerer Weg für Fußgänger

Die zweite Begehung startete am Heuschreckbrunnen und führte über den Heinz-Tietjen-Weg zum Augustinerhof und weiter über die Lorenz-Kellner- in die Bollwerkstraße. Diese Route wurde von vielen Teilnehmenden als die für Fußgängerinnen und Fußgänger angenehmere Variante durch das Karl-Marx-Viertel bewertet.

Dennoch wurden auch hier konkrete Verbesserungsvorschläge diskutiert. So wurde beispielsweise für die Querung über die Lorenz-Kellner-Straße zum Augustinerhof ein Zebrastreifen vorgeschlagen – auf dieser Straße gilt aktuell Tempo 50, was die Überquerung für Fußgängerinnen und Fußgänger erschwert.

Wie geht es weiter?

Die Vielzahl von Ideen, Vorschlägen und Anregungen, die an den verschiedenen Stationen der Begehungen diskutiert wurden, werden nun vom Fachbüro VIA aufbereitet. Der nächste Meilenstein ist der Abschlussworkshop am 19. Oktober. Ziel des gesamten Prozesses ist ein Maßnahmenkatalog, der anschließend dem Stadtrat zur Beschlussfassung vorgelegt werden soll.

Baudezernent Dr. Thilo Becker bedankte sich bei allen Beteiligten für ihr Engagement und gab gleichzeitig zu bedenken: „Wir nehmen Ihre Anliegen sehr ernst. Wir müssen aber bei allen Maßnahmen zwischen den verschiedenen Verkehrsarten abwägen, sodass leider nicht alle Ideen unmittelbar umgesetzt werden können.“ Diese Einschränkung macht deutlich, dass der Prozess zwar viele Impulse liefert, die Umsetzung jedoch von politischen und planerischen Abwägungen abhängt.

Für Trier und insbesondere das Karl-Marx-Viertel könnte der Fußverkehrs-Check dennoch ein wichtiger Schritt hin zu einer fußgängerfreundlicheren Innenstadt sein – zumal die wachsende Bedeutung des ÖPNV-Haltepunkts in Trier-West die Attraktivität zu Fuß zurückgelegter Wege in die Innenstadt künftig noch steigern dürfte.

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