
Handwerkskammern in der Pfalz und Koblenz ehren Goldene Meister: 183 Jubilare mit bis zu 70 Jahren Meistertitel und erstmals vier Platin-Ehrenbriefe.
Handwerksmeisterinnen und -meister, die vor Jahrzehnten ihre Prüfung abgelegt haben, stehen regelmäßig im Mittelpunkt besonderer Ehrungen der Handwerkskammern. Zwei aktuelle Beispiele aus Rheinland-Pfalz zeigen, wie unterschiedlich die Kammern diese Tradition pflegen – und wie viel Geschichte in diesen Auszeichnungen steckt.
Die Handwerkskammer der Pfalz verleiht allen Handwerksmeisterinnen und Handwerksmeistern, die vor 50 Jahren ihre Meisterprüfung abgelegt und ihren Beruf anschließend selbstständig ausgeübt oder überwiegend als Mitarbeiterin beziehungsweise Mitarbeiter im Handwerk gearbeitet haben, den sogenannten Goldenen Meisterbrief. Für den Prüfungsjahrgang 1977 ist die feierliche Übergabe für den 17. September 2027 im Bürgerhaus in Waldfischbach-Burgalben vorgesehen. Wer die Auszeichnung erhalten möchte, kann sich bei der Kammer anmelden und dabei Angaben zur Person, zum erlernten Handwerk sowie zu Prüfungsdatum und -ort machen. Auch die Teilnahme an der Feierstunde selbst sowie die Zahl möglicher Begleitpersonen lassen sich im Rahmen der Anmeldung angeben. Für Rückfragen rund um die Veranstaltung steht bei der Handwerkskammer der Pfalz eine zentrale Ansprechpartnerin zur Verfügung.
Einen ähnlichen, aber deutlich umfangreicheren Weg geht die Handwerkskammer Koblenz. Wie der AK-Kurier berichtet, hat die Kammer 183 Altmeisterinnen und Altmeister für 50, 60, 65 und sogar 70 Jahre seit ihrer Meisterprüfung ausgezeichnet. Zusammengerechnet kommen die Geehrten damit auf beachtliche 9.950 Meisterjahre. Die Jubilare stammen aus den Prüfungsjahrgängen 1956, 1961, 1966 und 1976 und verteilen sich auf 41 verschiedene Handwerksberufe.
Verliehen wurden laut AK-Kurier der Goldene Ehrenbrief für 50 Jahre, der Diamantene Ehrenbrief für 60 Jahre, der Eiserne Ehrenbrief für 65 Jahre und der Platin-Ehrenbrief für 70 Jahre seit der Meisterprüfung. Besonders bemerkenswert: Erstmals in der Geschichte der Kammer wurden gleich vier Platin-Ehrenbriefe für ein 70-jähriges Meisterjubiläum vergeben. Der älteste unter den Geehrten ist nach Angaben des AK-Kurier 97 Jahre alt und seit 1961 Schlossermeister.
Die Handwerkskammer Koblenz hatte die Jubilare gemeinsam mit ihren Ehepartnern, Kindern oder Enkelkindern in den großen Saal des Kammergebäudes eingeladen. Da die Kapazität von rund 450 Gästen an einem einzigen Tag nicht ausgereicht hätte, musste die Meisterfeier laut AK-Kurier auf zwei Tage verteilt werden. Kammerpräsident Kurt Krautscheid überreichte den Geehrten persönlich ihre Urkunden. Moderiert wurde die Veranstaltung von HwK-Hauptgeschäftsführer Ralf Hellrich.
Stellvertretend für die zahlreichen Jubilare wurden laut AK-Kurier zwei Lebensläufe in Kurzfilmen vorgestellt: der des 83-jährigen Schmiede- und Kfz-Mechanikermeisters Friedhelm Adorf aus Heupelzen bei Altenkirchen sowie der des 88-jährigen Uhrmacher- und Augenoptikermeisters Wilhelm Friedolin Birk aus Simmern im Hunsrück, der noch immer in seinem 1969 gegründeten Familienunternehmen tätig ist.
Friedhelm Adorf begann seine berufliche Laufbahn nach Angaben des AK-Kurier 1957 mit einer Lehre zum Kfz-Mechaniker bei der Firma Gierenstein und Nonn in Altenkirchen und legte 1960 seine Gesellenprüfung ab. Nach dem Wehrdienst absolvierte er sowohl die Schmiedemeister- als auch die Kfz-Meisterprüfung und machte sich anschließend in Heupelzen mit Autohandel und Reparaturwerkstatt selbstständig. 1988 verlegte er seinen Betrieb nach Altenkirchen und baute dort das Autohaus Adorf auf, das heute sein Sohn Dirk führt. Neben seiner beruflichen Laufbahn war Adorf laut AK-Kurier auch ehrenamtlich stark engagiert – unter anderem als Richter am Sozialgericht Koblenz, als Obermeister der Kfz-Innung sowie als Kreishandwerksmeister des Landkreises Altenkirchen.
Solche Ehrungen erinnern daran, welche Rolle Handwerksmeisterinnen und -meister gerade in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg gespielt haben. Wie der AK-Kurier festhält, trugen sie insbesondere in den 1950er- und 1960er-Jahren erheblich zum wachsenden Wohlstand bei – eine Zeit, aus der auch der bekannte Spruch „Handwerk hat goldenen Boden“ stammt. Die Auszeichnungen der Handwerkskammern sind damit nicht nur eine persönliche Würdigung einzelner Lebensleistungen, sondern auch ein Stück gelebter Wirtschaftsgeschichte der Region.
Mit dem Goldenen Meisterbrief der Handwerkskammer der Pfalz und den Ehrenbriefen der Handwerkskammer Koblenz zeigt sich, dass die Tradition, langjährige Meisterinnen und Meister zu würdigen, in der Region fest verankert ist – und auch künftig fortgeführt wird, wie die Planungen für die Feierstunde im September 2027 belegen.






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