
Alle 74 Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz bleiben erhalten – sieben Standorte wie Hermeskeil und Bernkastel-Kues werden ab 2027 zur Regioklinik umgewandelt.
Gute Nachrichten für die Gesundheitsversorgung in Rheinland-Pfalz: Alle 74 Krankenhäuser im Land sollen bestehen bleiben. Das sieht der neue Krankenhausplan vor, den Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) im Landtagsausschuss vorgestellt hat. Grundlage ist die Krankenhausreform des Bundes. Sieben der 74 Standorte sollen dabei zu sogenannten Regiokliniken umgewandelt werden – einem neuen Versorgungsmodell, das vor allem ländliche Regionen stärken soll.
Dass Rheinland-Pfalz die Krankenhausreform mit den neuen Leistungsgruppen als erstes Bundesland umsetzt, wurde ausdrücklich gelobt. Josef Winkler von den oppositionellen Grünen hob diesen Vorreiter-Status lobend hervor. Nun folgt das Anhörungsverfahren. Die Zu- und Absagen für die einzelnen Leistungsgruppen sollen noch im September an die Kliniken verschickt werden.
Ein wesentliches Element der Krankenhausreform sind die 61 verschiedenen Leistungsgruppen. Sie sollen sowohl die medizinische Versorgung in der Fläche als auch eine qualitativ hochwertige Versorgung sicherstellen. Zu den Leistungsgruppen zählen beispielsweise die allgemeine Innere Medizin, Geburtshilfe, Endoprothetik von Hüfte und Knie sowie Krebsoperationen.
Die Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz hatten insgesamt 1.325 Leistungsgruppen beantragt. Der Medizinische Dienst prüfte die Anträge und entschied rund 79 Prozent – das entspricht 1.065 Leistungsgruppen – positiv. Das Land lehnt 220 der beantragten Leistungsgruppen ab, davon 165, die bereits vom Medizinischen Dienst negativ begutachtet wurden. Die Bewertungen des Medizinischen Dienstes beziehen sich auf die Lage im ersten Quartal 2025 und orientieren sich vor allem an der Ausstattung mit Personal und Geräten.
Als Standorte für die neuen Regiokliniken hat Gesundheitsminister Hoch folgende sieben Orte benannt:
Die sieben Regiokliniken sollen Anfang 2027 an den Start gehen. Damit liegt die Zahl unter den ursprünglich angekündigten acht bis zehn solcher Häuser. Der Minister betonte, dass kein Standort wie der andere sein werde: „Kein Standort wird wie der andere, regionale Gegebenheiten werden immer abgebildet.“ Im Bundesgesetz werden die Regiokliniken als „sektorenübergreifende Versorger“ geführt.
Regiokliniken sind in erster Linie für Alltagsnotfälle ausgelegt – etwa blutende Schnittwunden oder den Sturz eines Kindes vom Baum. Sie können bis zu 50 Betten haben und auch rund um die Uhr besetzt sein sowie eine Notaufnahme betreiben. Was sie jedoch nicht bieten: einen Schockraum für Schlaganfälle oder Herzinfarkte.
Bei Verdacht auf einen Schlaganfall oder Herzinfarkt empfiehlt Minister Hoch ausdrücklich, die 112 zu wählen. Für solche schwerwiegenden Notfälle seien die Regiokliniken nicht ausgestattet. Das Konzept versteht sich als Ergänzung zur bestehenden Versorgungsstruktur, nicht als Ersatz für die Maximalversorgung.
Für die besonderen Bedürfnisse und notwendigen Investitionen der neuen Regiokliniken sind pro Haus bis zu 2,5 Millionen Euro extra vorgesehen. Minister Hoch bezeichnete das Konzept als „Zukunftsmodell“ und sieht in den Regiokliniken eine Chance, die wohnortnahe Versorgung auch in ländlichen Regionen dauerhaft zu sichern.
Die Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz stellt fest, dass das Land die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung im Blick habe – insbesondere in den Bereichen Geburtshilfe, Schlaganfallversorgung und Herzinfarktversorgung. Die bestehenden Versorgungsstrukturen blieben weitestgehend erhalten, so die Einschätzung.
Auch die AG der Patientenorganisationen bei der Verbraucherzentrale unterstützt das Reformvorhaben grundsätzlich. Gleichzeitig weist sie auf mögliche Folgen hin: Nach dem Bekanntwerden der Bescheide werden die Träger der Krankenhäuser reagieren, „sodass in den nächsten Wochen mit Meldungen über Schließungen oder Umwandlungen von Krankenhäusern zu rechnen ist“. Zudem sei mit einem mehrjährigen Umbau der Krankenhauslandschaft zu rechnen. Es werde sich zunehmend verändern, welches Krankenhaus welche Behandlung anbiete und wie weit Patienten dafür fahren müssten.
Bei den Regiokliniken seien zwar noch Fragen zur Finanzierung und zu notwendigen Übergangsphasen offen, die Umwandlung von Krankenhäusern in dieses neue Modell biete aber grundsätzlich eine zukunftsfähige Perspektive für die regionale Gesundheitsversorgung.
Für die Region Trier ist die Entwicklung besonders relevant: Mit Hermeskeil und Bernkastel-Kues liegen gleich zwei der sieben geplanten Regioklinik-Standorte im direkten Einzugsgebiet. Die Umwandlung dieser Häuser könnte das Versorgungsangebot vor Ort spürbar verändern. Welche Leistungsgruppen die betroffenen Kliniken künftig anbieten dürfen, wird sich zeigen, sobald die Bescheide noch im September verschickt werden. Für Bürgerinnen und Bürger in der Region lohnt es sich daher, die weiteren Entwicklungen genau zu verfolgen.






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