
Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen einen 19-Jährigen aus dem Raum Trier, der über Chats zu Mord und Brandstiftung angestiftet haben soll.
Ein 19-Jähriger aus dem Raum Trier steht im Mittelpunkt eines der schwersten Ermittlungsverfahren, die die Bundesanwaltschaft derzeit führt. Der junge Mann soll über Chats einen minderjährigen Jungen in Russland dazu gebracht haben, an einer Schule ein Kind mit einem Messer zu töten. Darüber hinaus soll er Jugendliche in den USA und in Schweden dazu angestiftet haben, Fahrzeuge in Brand zu setzen. Die Bundesanwaltschaft hat das Verfahren von der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz übernommen und wirft dem Beschuldigten vor, als Jugendlicher und Heranwachsender Mitglied in einer terroristischen und einer kriminellen Vereinigung gewesen zu sein – jeweils als mutmaßlicher Rädelsführer.
Nach Informationen des SWR führt eine Spur im Fall der Brandstiftungen in Texas nach Deutschland in die Region Trier. Der den Sicherheitsbehörden zuvor unbekannte 19-Jährige wurde am 17. März festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Er soll einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden. Zuerst hatte der Südwestrundfunk über den Fall berichtet.
Die Anklagepunkte, die die Karlsruher Behörde gegen den Beschuldigten auflistet, sind in ihrer Schwere kaum zu überbieten. Laut Bundesanwaltschaft soll der Mann spätestens Ende März 2024 eine Vereinigung gegründet haben, die von einer rechtsextremen Ideologie geprägt sei. Ziel dieser Vereinigung sei es gewesen, besonders schwerwiegende Straftaten wie Mord oder Totschlag zu begehen oder dazu aufzurufen, um den Zusammenbruch der gesellschaftlichen Ordnung herbeizuführen. Bild- und Videomaterial solcher Taten soll in Chatgruppen bewusst geteilt worden sein, um für die Vereinigung sowie für künftige Anschläge zu werben.
Darüber hinaus umfassen die Vorwürfe Anstiftung zu Mord und mehrfacher Brandstiftung, Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch eines Kindes, bandenmäßige Verbreitung kinderpornographischer Inhalte, die öffentliche Aufforderung zu Straftaten, Billigung von Straftaten sowie Gewaltdarstellung. Konkret nennt die Bundesanwaltschaft neben den Fällen aus Russland und den USA auch einen Aufruf zur Tötung eines US-Bürgers in einer Chatgruppe.
Besonders erschütternd ist ein weiterer Verdacht: Der Beschuldigte soll über das Internet mit einem Kind im europäischen Ausland in Kontakt getreten sein und dieses dazu veranlasst haben, mit einem Messer sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen. Das Opfer habe dabei schwere Verletzungen erlitten. Von einigen dieser Taten soll der Beschuldigte Videozusammenschnitte im Netz verbreitet haben.
Die Bundesanwaltschaft rechnet die beiden Gruppierungen, denen der 19-Jährige angehört haben soll, der sogenannten COM-Szene zu oder sieht zu ihr zumindest eine Verbindung. Diese Szene hat sich laut Bundesanwaltschaft vor einigen Jahren im Internet entwickelt. Ihre Mitglieder suchen demnach zielgerichtet in sozialen Medien oder auf Gaming-Plattformen nach sehr jungen, meist weiblichen Personen, die durch Manipulation und Zwang zu erniedrigenden Handlungen und/oder Selbstverletzungen bis hin zum Suizid gedrängt werden sollen.
Das Vorgehen folgt einem erschreckenden Muster: Die Täter nutzen die Anonymität des Internets und die Vertrauensseligkeit junger Menschen aus, um gezielt Einfluss auf sie zu nehmen. Gaming-Plattformen und soziale Medien dienen dabei als Einfallstor, um Kontakt zu potenziellen Opfern herzustellen – häufig Kinder und Jugendliche, die besonders verletzlich sind.
Der aktuelle Fall aus dem Raum Trier erinnert an ein Verfahren, das derzeit vor dem Landgericht Hamburg verhandelt wird. Der dort angeklagte, unter seinem Foren-Namen „White Tiger“ bekanntgewordene mutmaßliche Pädokriminelle soll laut Anklage mehr als 200 Straftaten über das Internet begangen haben. Laut Staatsanwaltschaft war er Kopf des internationalen Sadisten-Netzwerks „764″. Er soll in Internetforen gezielt nach psychisch labilen Kindern und Jugendlichen gesucht haben, um ihr Vertrauen zu gewinnen und sie dann zu missbrauchen.
Beide Fälle verdeutlichen, wie gefährlich gut organisierte kriminelle Strukturen im Internet sein können und wie weitreichend ihre Auswirkungen sind – über Kontinente hinweg. Was in Chatgruppen beginnt, endet in realer Gewalt gegen reale Menschen, darunter viele Minderjährige.
Dass ein Verfahren dieser Dimension einen Bezug zur Region Trier hat, macht den Fall besonders betroffen. Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft zeigen, dass schwere Kriminalität längst keine Frage des Ortes mehr ist – sie findet im digitalen Raum statt, mit Tätern und Opfern auf der ganzen Welt. Der nun in Untersuchungshaft sitzende 19-Jährige steht exemplarisch für eine Entwicklung, die Sicherheitsbehörden zunehmend beschäftigt: junge Menschen, die über das Internet andere zu schwersten Straftaten anstiften und dabei internationale Netzwerke nutzen.
Die Übernahme des Verfahrens durch die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe unterstreicht die Schwere und die überregionale Bedeutung des Falls. Die weiteren Ermittlungen werden zeigen, welches genaue Ausmaß die mutmaßlichen Taten des Beschuldigten hatten und ob weitere Beteiligte identifiziert werden können. Für Betroffene und Eltern bleibt der Fall eine eindringliche Mahnung, die Online-Aktivitäten junger Menschen im Blick zu behalten und über die Gefahren derartiger Netzwerke aufzuklären.






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