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KI gegen Wasserrohrbrüche: Trier setzt auf digitalen Zwilling

KI und digitaler Zwilling: Die Stadtwerke Trier testen innovative Technologien, um Wasserrohrbrüche früher zu erkennen und die Versorgung sicherer zu machen.

Redaktion
·
20. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Monat

Trockenheit setzt Trierer Wasserleitungen unter Druck

Wochenlange Trockenheit macht nicht nur der Natur und den Menschen in der Region zu schaffen – sie stellt auch die unterirdische Infrastruktur vor ernste Herausforderungen. Allein Anfang Juli gab es in Trier insgesamt neun Wasserrohrbrüche. Sechs davon gingen nach Angaben der Stadtwerke Trier (SWT) auf Spannungen im ausgetrockneten Boden zurück.

Helfried Welsch, Technischer Prokurist bei den Stadtwerken Trier, macht dabei einen klaren Wandel aus: „Früher waren die meisten Schäden im Ausgang des Winters, wenn der Frost aus dem Boden gegangen ist.“ Heute habe sich das Problem in den Sommer verlagert. Bei extremer Trockenheit – aber auch bei extremem Niederschlag – verändere sich der Boden so, dass Rohre an Schwachstellen brechen können. Sein Fazit: „Das kann immer und überall passieren.“ Der Klimawandel sei bei Wasserrohrbrüchen klar erkennbar.

450 Kilometer Rohrnetz: Eine dauerhafte Überwachungsaufgabe

Die Frage liegt nahe, ob in Trockenphasen das Rohrnetz intensiver kontrolliert wird. Welsch verneint das klar: „Nein. Das ist eine dauerhafte Aufgabe, die bei uns in der Routine fest verankert ist.“ Die Stadtwerke Trier sind für insgesamt 450 Kilometer Rohrnetz verantwortlich. Dabei werden nicht nur der Zustand und das Material der Leitungen kontinuierlich geprüft, sondern auch deren hydraulische Leistungsfähigkeit.

Dass die Folgen eines Rohrbruchs erheblich sein können, zeigt ein Vorfall aus der Medardstraße in Trier: Im April 2026 kam es dort zu einem Wasserrohrbruch, bei dem ein Bus in der aufgeweichten Fahrbahn absackte. Solche Vorfälle verdeutlichen, wie wichtig eine frühzeitige Erkennung von Schäden im unterirdischen Leitungsnetz ist.

Das Pilotprojekt: KI und der digitale Zwilling des Rohrnetzes

Um Schäden schneller und zuverlässiger zu erkennen, setzen die Stadtwerke Trier seit Anfang des laufenden Jahres auf ein innovatives Pilotprojekt: Künstliche Intelligenz soll die Überwachung des Wasserrohrnetzes auf ein neues Niveau heben. Die SWT haben dazu einen sogenannten digitalen Zwilling ihres Wasserrohrnetzes aufgebaut.

Durch den Einsatz neuronaler Netze lassen sich die einzelnen Druckzonen des Netzes deutlich besser und rund um die Uhr überwachen. Schäden können so früher erkannt werden, bevor sie sich zu größeren Problemen ausweiten. Besonders bemerkenswert ist die Prognosefähigkeit des Systems: „Das System sagt: Wenn ein bestimmter Wert nicht eintritt, dann muss es ein Problem geben“, erklärt Welsch. Weicht eine Messgröße vom erwarteten Wert ab, schlägt das System Alarm.

Auf Basis dieser Meldungen können dann gezielt Mitarbeitende ausgeschickt werden, um dem Problem nachzugehen. Das Vorgehen beschreibt Welsch anschaulich: „Man muss sich vom Großen ins Kleine ranzoomen, bis man das Loch gefunden hat.“ Die KI liefert also den ersten Hinweis – die gezielte Suche und Reparatur bleibt weiterhin Aufgabe erfahrener Fachkräfte vor Ort.

Geräuschlogger: Wenn das Ohr unter die Erde lauscht

Neben dem KI-gestützten Überwachungssystem setzt die SWT auch auf eine bewährte ergänzende Methode: sogenannte Geräuschlogger. Nicht jeder Rohrbruch ist von der Oberfläche aus sichtbar. „Wenn eine Rohrleitung im Boden einen Riss hat, dann tritt Wasser aus und das macht Geräusche“, erklärt Welsch. Genau hier kommen die Geräuschlogger ins Spiel – vor allem nachts, wenn es ruhig ist und die Störgeräusche der Stadt auf ein Minimum sinken. Dann lässt sich die genaue Schadensstelle deutlich präziser lokalisieren.

Welsch betont, dass die KI-Überwachung trotz aller Vorteile die anderen Methoden nicht ersetzen wird: „Wir müssen alle zur Verfügung stehenden technischen Mittel nutzen, um das optimal zu machen.“ Dazu zählt auch die aktive Beteiligung der Trierer Bevölkerung: Wenn Bürgerinnen und Bürger Wasserschäden melden, liefern sie wertvolle Hinweise, die in das Gesamtbild der Netzüberwachung einfließen.

Noch mehrere Jahre bis zur vollständigen Implementierung

So vielversprechend das Pilotprojekt auch ist – bis das KI-System vollständig einsatzbereit ist, wird noch Zeit vergehen. „Denn das ist kein fertiges System, das man von der Stange kauft“, stellt Welsch klar. Das System wird kontinuierlich weiterentwickelt, wobei Anregungen häufig direkt von den Mitarbeitenden aus der Praxis kommen. Immer wieder seien Anpassungen notwendig, um langfristig effektiv damit arbeiten zu können.

Perspektivisch soll das System jedoch nicht nur Trier zugutekommen. Auch Regionen außerhalb der Stadt – konkret das Verbundsystem Westeifel – sollen künftig von der KI-gestützten Rohrnetzüberwachung profitieren. Damit hätte das Trierer Pilotprojekt das Potenzial, als Blaupause für eine weiträumigere Anwendung zu dienen.

Fazit: Trier macht die Wasserversorgung fit für die Zukunft

Die Kombination aus digitalem Zwilling, KI-gestützter Echtzeit-Überwachung und bewährten Methoden wie Geräuschloggern zeigt, wie die Stadtwerke Trier die Herausforderungen des Klimawandels für ihre Infrastruktur angehen. Die zunehmenden Extremwetterereignisse – ob anhaltende Trockenheit oder starke Niederschläge – erfordern neue Antworten. Mit dem laufenden Pilotprojekt setzt Trier ein klares Signal: Die Stadt investiert in smarte Technologien, um die Wasserversorgung sicher, zuverlässig und zukunftsfähig zu gestalten – zum Wohl aller Bürgerinnen und Bürger.

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