
Am Klettersteig Manderscheid starb eine Frau nach einem Sturz aus 20 Metern. Warum Selbstüberschätzung hier so oft zur Gefahr wird und was Experten raten.
Der Klettersteig Manderscheid gilt als eines der beliebtesten Kletterabenteuer in der Region Trier – doch ein tragisches Ereignis hat nun erneut auf die Gefahren aufmerksam gemacht, die entstehen, wenn Kletterer die eigenen Fähigkeiten überschätzen. Eine 53-jährige Frau ist auf dem Steig aus rund 20 Metern Höhe abgestürzt und dabei ums Leben gekommen. Es war der erste tödliche Unfall auf dem Klettersteig seit seiner Eröffnung im Jahr 2022.
Die Rettungskräfte wurden gegen 16 Uhr alarmiert und rückten aus – doch für die verunglückte Frau kam jede Hilfe zu spät. Der Notarzt konnte vor Ort nur noch ihren Tod feststellen. Die Polizeiermittlungen zum genauen Unfallhergang dauern derzeit noch an.
Nach Angaben der Stadtbürgermeisterin Claudia Becker ereignete sich der Unfall an einer verhältnismäßig einfachen Stelle des Steigs: der sogenannten „Etappe 2″ in der Nähe der Oberburg. An dieser Stelle müssen Kletterer ihre Sicherungshaken umklemmen – ein Vorgang, der technisch nicht besonders anspruchsvoll erscheint, aber volle Konzentration erfordert. Offenbar machte die Frau genau bei diesem Umklemmen den tödlichen Fehler.
Dass der Unfall ausgerechnet an einer als vergleichsweise einfach geltenden Stelle passierte, ist bezeichnend – und für Georg Fox, Förster und Mitinitiator des Klettersteigs, leider keine große Überraschung. Er sieht darin ein grundlegendes Problem: Stellen, die auf den ersten Blick harmlos wirken, verleiten Kletterer dazu, die Sicherung wegzulassen.
Fox berichtet, dass es in den vergangenen Jahren zwar keine tödlichen Unfälle, aber immer wieder Unfälle mit Verletzten gegeben habe. Ein wesentlicher Grund: Kletterer sichern sich schlicht nicht ab. „Da kommt es dann auch mal schnell zur Selbstüberschätzung“, sagt Fox. Er begegne regelmäßig Kletterern auf dem Steig, die ohne Sicherung unterwegs sind – und wenn er sie darauf anspricht, reagieren viele uneinsichtig.
Ein weiteres Phänomen, das Fox beobachtet hat, ist der Einfluss sozialer Medien: Immer häufiger versuchen Kletterer, ungesichert bestimmte Punkte zu erreichen, die sie zuvor auf Fotos im Internet gesehen haben. Der Wunsch nach dem perfekten Bild oder dem spektakulären Erlebnis führt dazu, dass grundlegende Sicherheitsregeln missachtet werden – mit teils fatalen Folgen.
Gerade jetzt, mit dem nahenden Herbst, weist Fox eindringlich auf erhöhte Risiken hin: „Es ist gerade jetzt, wo es in den Herbst geht, wichtig, sich zu sichern, weil die Böden zunehmend rutschiger werden.“ Feuchtes Laub, nasse Felsen und kürzer werdende Tage machen Klettertouren deutlich anspruchsvoller – auch an Stellen, die im Sommer noch problemlos zu bewältigen schienen.
Sowohl Stadtbürgermeisterin Claudia Becker als auch Georg Fox appellieren daher eindringlich an alle Kletterinnen und Kletterer: Die Sicherung ist kein optionales Extra, sondern ein absolutes Muss – unabhängig davon, wie sicher man sich fühlt oder wie einfach eine Stelle aussieht. Fox bringt es auf den Punkt: „Wenn die Leute sich an die Spielregeln halten, kann nichts passieren.“
Nachdem der Steig nach dem Unfall vorübergehend gesperrt worden war, ist der Klettersteig Manderscheid mittlerweile wieder für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Wer ihn besucht, sollte sich jedoch gut vorbereiten und die vorhandene Sicherungsausrüstung konsequent einsetzen – an jeder einzelnen Stelle des Steigs, ohne Ausnahme.
Der tragische Unfall am Klettersteig Manderscheid ist eine eindringliche Mahnung: Selbst gut zugängliche und populäre Kletterrouten können lebensgefährlich werden, wenn die Sicherheitsregeln nicht konsequent eingehalten werden. Der Steig bietet ein beeindruckendes Erlebnis in der Eifellandschaft – doch dieses Erlebnis setzt voraus, dass alle Beteiligten verantwortungsvoll handeln.
Wer auf dem Klettersteig unterwegs ist, sollte sich nicht von der scheinbaren Einfachheit einzelner Abschnitte täuschen lassen. Die richtige Ausrüstung, eine konsequent genutzte Sicherung und eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten sind keine Empfehlungen – sie sind die Grundvoraussetzung für eine sichere Tour. Wie Georg Fox es formuliert: Die Spielregeln existieren nicht ohne Grund.






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