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Kostbare Neuerwerbung: Trierer Bibliothek erwirbt Gottesdienst-Handbuch aus dem 16. Jahrhundert

Die Wissenschaftliche Bibliothek der Stadt Trier hat eine Bistumsagende aus dem 16. Jahrhundert erworben. Erfahrt, was hinter diesem historischen Fund steckt.

Redaktion
·
18. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Monat

Ein Schatz aus der Frühzeit des Buchdrucks

Die Wissenschaftliche Bibliothek der Stadt Trier hat eine bemerkenswerte Neuerwerbung zu verzeichnen: Ein Gottesdienst- und Liturgiebuch aus dem 16. Jahrhundert bereichert ab sofort den historischen Bestand der Einrichtung. Das seltene Werk wird als „Objekt des Monats“ präsentiert und gibt Einblicke in eine Zeit, in der gedruckte Bücher noch ein kostspieliges und rares Gut waren. Denn als Johannes Gutenberg mit seiner Erfindung der beweglichen Lettern im 15. Jahrhundert eine Medienrevolution in Europa auslöste, waren Druckerzeugnisse alles andere als selbstverständlich.

Die Bistumsagende des Erzbischofs Jakob von Eltz

Bei der Neuerwerbung handelt es sich um den ersten von zwei Bänden der ersten in Trier gedruckten Bistumsagende – einem Gottesdienst- und Liturgiebuch, das um 1574 und 1576 in zwei Teilen erschien. Herausgegeben wurde es von Erzbischof Jakob von Eltz, der das Werk im Anschluss an das Konzil von Trient (1545 bis 1563) für Trier auflegen ließ. Der Hintergrund: Diözesen mit einer mindestens 200-jährigen liturgischen Tradition durften ihre überlieferten Bräuche weiterhin praktizieren. Um diese Regelung verbindlich festzuhalten, veranlasste Jakob von Eltz die Herausgabe dieser sogenannten Bistumsagende.

Der nun erworbene erste Band stammt aus der Abtei Himmerod und lässt sich inhaltlich mit dem „Speculum manuale sacerdotum“ – auf Deutsch etwa „Handliche Zusammenfassung für Priester“ – in einen direkten Zusammenhang bringen. Dieses ältere Werk von 1481 zählt bereits zum Bestand der Bibliothek und gilt als das älteste in Trier auf einer Druckerpresse hergestellte Buch überhaupt.

Das älteste in Trier gedruckte Buch

Das „Speculum manuale sacerdotum“ entstand im August 1481 – und damit noch in der Frühzeit des Buchdrucks. Solche frühen Druckwerke werden als Inkunabeln oder Wiegendrucke bezeichnet. Laut Gesamtkatalog der Wiegendrucke existieren heute noch 16 Exemplare oder Teile davon in öffentlichen Einrichtungen in Deutschland, Belgien, Großbritannien, den Niederlanden, Österreich, den USA und der Schweiz. Die Wissenschaftliche Bibliothek der Stadt Trier besitzt gleich zwei davon.

Das „Speculum“ umfasst mit 32 Seiten einen vergleichsweise geringen Umfang und enthält Erläuterungen sowie Anleitungen zur Taufe, zur Eucharistie, zur Priesterweihe und zum Bußsakrament. Ebenfalls aus demselben Druck stammt eine Auslegung des „Symbolum Athanasi“, des Athanasischen Glaubensbekenntnisses, mit zwölf Seiten – auch hiervon bewahrt die Trierer Bibliothek zwei Exemplare.

Ein „Who is Who“ berühmter geistlicher Bibliotheken

Die Geschichte der Exemplare des „Liber officialis“ von 1574/76 liest sich wie ein Streifzug durch die bedeutendsten geistlichen Bibliotheken der Region. Die Bestandsliste umfasst ein Exemplar aus der Jesuitenbibliothek, das beide Teile der Agende vereint, sowie ein weiteres aus dem in Trier angesiedelten Jesuitennoviziat der Rheinprovinz. Ein anderes Exemplar ist für die Benediktinerabtei St. Maximin seit 1678 nachweisbar, ein weiteres für das Trierer Simeonstift. Nun gesellt sich der Band aus der Abtei Himmerod zu diesen historisch bedeutsamen Überlieferungsträgern – und findet seinen neuen Platz in der Wissenschaftlichen Bibliothek der Stadt Trier.

Geschichte zum Anfassen in Trier

Die Präsentation als „Objekt des Monats“ macht deutlich, welchen kulturellen Stellenwert die Wissenschaftliche Bibliothek der Stadt Trier für die Region einnimmt. Mit solchen Neuerwerbungen und ihrer Aufarbeitung leistet die Einrichtung einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung und Vermittlung von Regionalgeschichte – ganz im Sinne eines lebendigen kulturellen Gedächtnisses. Wer sich für frühe Druckgeschichte, religiöse Liturgie oder die Geschichte des Bistums Trier interessiert, findet hier ein außergewöhnliches Zeugnis aus einer Zeit, in der das gedruckte Wort noch echten Seltenheitswert besaß.

Für Trier als eine der ältesten Städte Deutschlands ist eine solche Entdeckung keine Überraschung – aber sie ist jedes Mal aufs Neue ein Beweis dafür, wie reich die historischen Schätze dieser Region sind. Antenne Trier bleibt für euch am Ball, wenn es um Neuigkeiten aus der Region geht.

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