
Die Bürgerinitiative „Sparkasse Trier, aber anders
In Trier sorgt eine neue Bürgerinitiative für Aufsehen: Unter dem Namen „Sparkasse Trier, aber anders“ fordert eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern, dass die Sparkasse Trier künftig zwei Prozent Zinsen auf Girokonten zahlt. Initiator ist Simon Drobig, ein 38-jähriger BWL-Absolvent, der derzeit ein Mobilitäts-Start-up gründet. Er betont ausdrücklich, kein Gegner der Sparkasse zu sein – im Gegenteil: „Ich finde die Sparkasse als öffentliches, regional verankertes Institut grundsätzlich eine total wünschenswerte Einrichtung“, sagt er. Dennoch sieht er in der aktuellen Zinspolitik des Instituts erheblichen Handlungsbedarf.
Auslöser für sein Engagement waren nach eigenen Angaben wiederkehrende Erfahrungen in seinem Umfeld, bei denen Angebote der Sparkasse Trier „unvorteilhaft“ gewesen seien und die er „schwierig nachzuvollziehen“ fand. Das habe ihn dazu bewogen, die Sparkasse Trier systematisch unter die Lupe zu nehmen.
Drobigs Hauptkritik richtet sich gegen die Zinspolitik der Sparkasse bei Giro- und Tagesgeldkonten. „Die Girokonten werden bei der Sparkasse überhaupt nicht verzinst und auf den Tagesgeldkonten gibt es nur geringe Zinsen“, bemängelt er. Nach seiner Überzeugung müsse eine öffentlich-rechtliche Bank das Gemeinwohl stärker gewichten als den eigenen Gewinn.
Auf Plakaten in der Stadt wirbt die Initiative mit der Forderung „2 % Zinsen aufs Girokonto“. Die Grundlage dieser Zahl: Der aktuelle EZB-Leitzins liegt bei 2,25 Prozent. Drobig argumentiert, die Sparkasse könnte das Geld der Kunden risikofrei bei der Europäischen Zentralbank anlegen, dort knapp über zwei Prozent Zinsen erhalten – und diesen Ertrag dann, abzüglich eines kleinen Anteils, an die Kundinnen und Kunden weitergeben. Auf Basis dieser Rechnung beziffert er das mögliche Ausschüttungsvolumen auf 20 bis 40 Millionen Euro pro Jahr. Eine Verzinsung nahe am EZB-Leitzins sei „problemlos machbar und die Sparkasse wäre weiterhin eine profitable Bank“, so Drobig.
Bevor er an die Öffentlichkeit trat, versuchte Drobig, den Dialog intern zu suchen. Er schickte seine Kritik mehrfach per Mail an den Verwaltungsrat und den Vorstand der Sparkasse – aus seiner Sicht jedoch ohne echte Antworten auf die zentralen Fragen. Gemeinsam mit Bekannten gründete er daraufhin die Bürgerinitiative, um das Thema öffentlich zu machen.
Tatsächlich zeigen Zahlen von Vergleichsportalen wie Verivox, dass Sparkassen im Vergleich meist deutlich geringere Zinsen bieten als andere Banken. Werner Bareis von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bestätigt: „Die Sparkassen vergeben seit jeher unterdurchschnittliche Zinsen.“ Mit Direktbanken könne eine Sparkasse eben nicht mithalten. Ein wesentlicher Grund dafür seien die hohen Kosten eines dichten Filialnetzes.
Bareis äußert jedoch Skepsis gegenüber einer verbindlichen Regelung zur Girokontozinsung: „Dann ist davon auszugehen, dass die Sparkassen die monatlichen Kontoführungsgebühren erhöhen werden.“ Eine Weitergabe des EZB-Leitzinses eins zu eins an die Kunden könnte also an anderer Stelle neue Kosten verursachen.
Ähnlich sieht es Christian Bauer, Volkswirt und Finanzexperte an der Universität Trier, der zu Geldpolitik, Finanzmärkten und Finanzkrisen forscht. Er hält die spezifische Forderung an Sparkassen, EZB-Zinserhöhungen schneller weiterzugeben als andere Banken, für nicht gerechtfertigt. Im Sparkassengesetz stehe „nirgends, dass speziell die Sparkassen die Zinserträge, die sie erwirtschaften, maximal wieder ausschütten müssen“, erklärt er. Auch die niedrigeren Zinsen erklärt Bauer mit dem Geschäftsmodell: Sparkassen unterhalten ein dichtes Filialnetz und bieten persönliche Beratung vor Ort – im Unterschied zu schlanken Direktbanken. „Das muss irgendwo finanziert werden“, so Bauer.
Den Gedanken, dass die Sparkasse Trier „allen Triererinnen und Trierern gehört“, weist Bauer ebenfalls zurück. Formale Eigentümer seien die Kommunen – also die Stadt Trier und der Landkreis Trier-Saarburg – und nicht die einzelnen Kundinnen und Kunden. Wer tatsächlich als Kunde Miteigentümer seiner Bank sein wolle, solle eher eine Genossenschaftsbank in Betracht ziehen.
Die Sparkasse Trier selbst weist die Vorwürfe zurück und verweist auf ihren öffentlichen Auftrag: allen Menschen verlässliche Finanzdienstleistungen anzubieten, die regionale Wirtschaft zu finanzieren und sich für das Gemeinwohl vor Ort zu engagieren. Wer aus den Erträgen pauschal „nicht weitergegebene“ Zinsen ableite, blende diesen Auftrag vollständig aus.
Eine Sprecherin der Sparkasse Trier erklärte zudem, dass zwischen dem Zentralbankzins und den Kundenkonditionen für Giro- und Tagesgeldkonten kein direkter 1:1-Zusammenhang bestehe. Der EZB-Leitzins sei zwar ein wichtiger Orientierungswert, es gebe aber keinen Automatismus, Sichteinlagen wie Girokonten mit einem festen Anteil des EZB-Leitzinses zu verzinsen. Außerdem betont die Sparkasse: Girokonten seien gar nicht dazu gedacht, Geld zu vermehren – sie dienten in erster Linie dem Zahlungsverkehr und der täglichen Liquidität.
Darüber hinaus verweist die Sparkasse auf ihre Leistungen für die Region: Sie betreibt 36 Filialen in Trier und im Landkreis Trier-Saarburg sowie 82 Geldautomaten. Hinzu kommen Spenden und Sponsoring für Projekte in Kultur, Sport und Jugendarbeit – allein im vergangenen Jahr in Höhe von 2,3 Millionen Euro. Viele dieser Projekte, so die Sparkasse, könnten ohne diese Unterstützung nicht realisiert werden.
Simon Drobig und die Bürgerinitiative „Sparkasse Trier, aber anders“ suchen nun den öffentlichen Austausch. Drobig lud alle Trierer Bürgerinnen und Bürger zu einer „Generaldebatte“ über die Sparkasse Trier ein – um 20 Uhr im „Astarix“ in Trier. Auch der Verwaltungsrat der Sparkasse Trier wurde eingeladen. Für Drobig steht dabei vor allem der Dialog im Vordergrund: „Wenn mir der Verwaltungsrat zeigt, dass ich bei meiner Analyse falsch lag, werde ich das offen zugeben und mich für mein Handeln entschuldigen“, sagt er.
Die Debatte rund um die Zinspolitik der Sparkasse Trier wirft grundsätzliche Fragen über das Selbstverständnis öffentlich-rechtlicher Banken auf: Wie viel Gemeinwohlorientierung darf – oder muss – eine Sparkasse zeigen? Und wo endet der öffentliche Auftrag, wo beginnt das klassische Bankgeschäft? Antworten darauf dürften nicht nur in Trier mit Spannung erwartet werden.






Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.
Dein Beitrag für Antenne Trier
Kommentar verfassen
Teilen Sie uns Ihr Anliegen mit. Wir prüfen Ihren Beitrag und veröffentlichen ihn nach Freigabe.