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Niedrigwasser legt Kreuzfahrten auf der Mosel lahm: Tourismus hart getroffen

Niedrigwasser am Rhein legt den Kreuzfahrttourismus auf der Mosel lahm. Winzer, Händler und Gastronomie in Traben-Trarbach und Bernkastel-Kues spüren die…

Redaktion
·
18. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Monat

Leere Anleger, ausbleibende Gäste – die Mosel leidet unter dem Niedrigwasser

Der Sommer 2026 hätte für die Moselregion ein starkes Tourismusjahr werden können. Stattdessen prägen leere Schiffsanleger und ausbleibende Kreuzfahrtgäste das Bild. Der Grund: Südlich von Düsseldorf hat der Rhein seinen historisch tiefsten Wasserstand erreicht. Für die großen Flusskreuzfahrtschiffe, die normalerweise von Düsseldorf oder Köln über den Rhein zur Mosel fahren, gibt es damit schlicht kein Durchkommen mehr. Die Folgen spürt eine ganze Region.

Reedereien weichen aus – Schiffe sitzen fest

Die Reedereien „Viva Cruises“ und „Thurgau Travel“ fahren die Mosel nach eigenen Angaben derzeit nicht mehr an. Stattdessen wurden viele Touren umgeplant – etwa über den Niederrhein nach Belgien oder in die Niederlande, zumindest solange die Pegel dort noch ausreichend hoch sind. Nur außer den Fahrgastschiffen der Gebrüder Kolb ist kaum noch Schiffsverkehr auf der Mosel zu verzeichnen.

Einige Kreuzfahrtschiffe befinden sich jedoch in einer besonderen Lage: Sie haben es nicht mehr rechtzeitig geschafft, auf den Rhein überzusetzen, und sind nun praktisch auf der Mosel gefangen. Wie Winzer Axel Emert aus Traben-Trarbach berichtet, der engen Kontakt zu den großen Reedereien pflegt, fahren diese Schiffe – darunter die „Otello“ – derzeit zwischen Koblenz und Trier hin und her, ohne reguläre Anlegepunkte ansteuern zu können.

Winzer, Händler, Apotheker – alle spüren den Rückgang

Besonders hart trifft die Situation Winzer Axel Emert. Nach eigenen Angaben verkauft er zwei von drei Weinflaschen an Gäste von Kreuzfahrtschiffen. Keine Schiffe bedeutet für ihn: keine Events mehr an Bord, viele stornierte Weinproben in seinem Gewölbekeller und spürbare Umsatzeinbußen. „Ich habe natürlich Umsatzeinbußen und die Saison lässt sich nicht nachholen“, sagt Emert. Für ihn ist der Sommer bereits gelaufen.

Doch er ist bei Weitem nicht der Einzige. „In Traben-Trarbach spürt das jeder – vom Café an der Ecke bis zur Apotheke. Es ist einfach weniger los in der Stadt“, beschreibt Emert die Stimmungslage vor Ort. Inka Geißler, die in einem Weinladen in der Trarbacher Fußgängerzone arbeitet, bestätigt das: Seit einem letzten Anleger am vergangenen Montag kamen keine Kreuzfahrttouristen mehr in ihr Geschäft, um Wein oder Souvenirs zu kaufen. „Wenn das jetzt so weitergeht, würde das für die Region einen Einbruch bedeuten“, glaubt Geißler.

Auch Apotheker Ingmar Bartz, der eine Apotheke gegenüber dem Weinladen leitet, registriert die Veränderung. Die Kreuzfahrtgäste kommen zwar vor allem wegen kleinerer Beschwerden wie Insektenstichen oder Sonnenbrand – also „nur wegen Akutgeschichten“, wie Bartz es formuliert. Doch auch wenn ihr Anteil an der Gesamtkundschaft überschaubar ist: „Wir spüren trotzdem, wenn sie nicht da sind.“

Führungen abgesagt, Gastronomie unter Druck

Die Auswirkungen des ausbleibenden Kreuzfahrttourismus reichen noch weiter. Die Stadt Traben-Trarbach meldet, dass auch Gästeführer deutlich weniger zu tun haben. Reedereien buchen üblicherweise Gruppentouren durch die sogenannte Traben-Trarbacher Unterwelt – diese fallen nun weg. Eine ähnliche Situation ergibt sich in Bernkastel-Kues, einem weiteren beliebten Ziel für Flusskreuzfahrten, die seit Jahren auf der Mosel boomen. Laut einem Sprecher der Stadt wurden dort bereits Führungen abgesagt, und auch Einzelhandel sowie Gastronomie bekommen die fehlenden Gäste zu spüren.

Klimawandel als Hintergrund – Sorgen um die Zukunft

Patrice Langer (SPD), Stadtbürgermeister von Traben-Trarbach, hofft wie viele andere an der Mosel auf baldigen Regen und eine Normalisierung der Wasserstände. Gleichzeitig ordnet er die aktuelle Lage in einen größeren Kontext ein: „Je weniger wir uns ums Klima kümmern, desto eher haben wir natürlich solche Probleme auf Dauer.“ Die anhaltende Trockenheit sei ein Zeichen dafür, dass der Klimawandel auch Wetterextreme mit sich bringe.

Winzer Axel Emert blickt mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Er hofft, dass die Reedereien die aktuelle Krise wirtschaftlich überstehen – und dass sie die Mosel nicht dauerhaft gegen andere europäische Flüsse eintauschen, die möglicherweise mehr Wasser führen. Denn der Kreuzfahrttourismus auf der Mosel ist für viele Betriebe in der Region längst kein angenehmes Extra mehr, sondern eine wirtschaftliche Grundlage, auf die Existenzen aufgebaut sind.

Fazit: Eine Region wartet auf den Regen

Das Niedrigwasser am Rhein hat eine Kettenreaktion ausgelöst, die tief in die Moselregion hineinstrahlt. Vom Winzer über die Souvenirverkäuferin bis zum Apotheker und Gästeführer – die Auswirkungen ausbleibender Kreuzfahrtschiffe treffen eine Vielzahl von Betrieben und Berufsgruppen. Die Hoffnung ruht derzeit auf dem Wetter. Doch die aktuelle Lage macht deutlich, wie verletzlich eine touristische Region sein kann, wenn ein einziges Naturphänomen die wichtigste Besuchsroute blockiert.

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