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Warum eine Glasfirma 12 Millionen Euro im Hunsrück investiert hat

Die Arnold-Gruppe investiert 12 Millionen Euro in Kirchberg im Hunsrück und sichert damit über 150 Arbeitsplätze.

Redaktion
·
11. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 3 Wochen

Großinvestition mitten im Hunsrück

Während anderswo Werke schließen und Industriearbeitsplätze verschwinden, setzt ein Unternehmen im Hunsrück ein deutliches Zeichen: Die Arnold-Gruppe aus der Nähe von Stuttgart hat am Standort Kirchberg im Hunsrück rund 12 Millionen Euro in eine neue Produktionsstraße investiert. Neun Monate Bauzeit stecken in der modernen Anlage, die seit Kurzem in der Fabrikhalle in Betrieb ist. Das Ziel: schneller und energieeffizienter produzieren – und damit den Standort langfristig sichern.

Spezialgläser aus Kirchberg für ganz Europa

In Kirchberg fertigt die Arnold-Gruppe Spezialgläser – darunter Sicherheitsglas sowie Isolierglas, das Gebäude zusätzlich dämmt oder vor Lärm schützt. Mehr als 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind am dortigen Standort beschäftigt. Produktionsleiter Oliver Bedersdorfer macht keinen Hehl daraus, was die Investition für die Belegschaft bedeutet: „Man liest ja schon, dass sehr viele Mittelständler oder größere Unternehmen Standorte schließen. Deshalb sind wir schon ganz froh, dass hier in den Standort investiert worden ist.“

Die Sorge ist nicht unbegründet: In den vergangenen sechs Jahren sind in Deutschland nach offiziellen Angaben mehr als 400.000 Industriearbeitsplätze verloren gegangen. Auch im Hunsrück haben Automobilzulieferer Werke geschlossen – etwa in Birkenfeld und Idar-Oberstein. Vor diesem Hintergrund wirkt die Millionen-Investition in Kirchberg wie ein klares Bekenntnis zur Region.

Firmeninhaber lobt Standort und Mitarbeiter

Firmeninhaber Hans-Joachim Arnold, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert und dem Unternehmen seit 2002 angehört, zeigt sich überzeugt vom Standort Kirchberg. „Die Leute hier, die bei uns arbeiten, die haben bewiesen, dass sie es können und unser Ziel war es, eines der modernsten Isolierglaswerke aufzubauen und das haben wir jetzt hier im Hunsrück realisiert“, sagt Arnold.

Auch die geografische Lage spricht für Kirchberg: Die Anbindung über die Bundesstraße 50 und die nahegelegene Autobahn mache den Standort für die wichtigen Märkte im Rhein-Main-Gebiet sowie in Frankreich, den Niederlanden und Belgien ideal, so Arnold. Für ein Unternehmen, das seine Produkte überregional und international vertreibt, ist eine gute Verkehrsinfrastruktur ein entscheidender Faktor.

Kirchberg wächst – wirtschaftlich und städtebaulich

Die positive Entwicklung von Arnold Glas steht exemplarisch für eine breitere wirtschaftliche Aufwärtsbewegung in Kirchberg. Stadtbürgermeister Werner Wöllstein (FDP) berichtet von einer wachsenden Wirtschaft in der Stadt – und nennt als wichtigen Treiber die gute Verkehrsanbindung. Hinzu kommt ein weiterer Standortvorteil: „Wir haben einfach genügend Flächen zur Verfügung“, so Wöllstein.

2024 wurde in Kirchberg ein neues Industrie- und Gewerbegebiet ausgewiesen. Dort hat sich unter anderem die Firma Goldbeck mit einem Betonwerk angesiedelt. Bereits 150 Mitarbeiter sind dort beschäftigt, 100 weitere sollen noch folgen. Geplant ist außerdem ein großer Gartenfachmarkt. Von den ehemals verfügbaren Flächen sind laut Bürgermeister Wöllstein nur noch zwei zu vermarkten – eine komfortable Ausgangslage: „Wir sind in der komfortablen Lage, nicht an jeden verkaufen zu müssen.“

Die wirtschaftliche Dynamik hat auch den Wohnungsmarkt erfasst. „Wir haben innerhalb von zwei Jahren fast ein komplettes Neubaugebiet verkauft“, betont Wöllstein. Ein weiteres Neubaugebiet befindet sich bereits in Planung – ein Zeichen dafür, dass immer mehr Menschen bereit sind, im Hunsrück zu leben und zu arbeiten.

Arnold Glas plant weitere Expansion in Kirchberg

Die Ambitionen der Arnold-Gruppe im Hunsrück gehen über die bereits getätigte Investition hinaus. Das Unternehmen hat im neuen Industriegebiet eine sieben Hektar große Fläche erworben. Dort könnte in Zukunft eine weitere Produktionshalle entstehen, wie Firmeninhaber Hans-Joachim Arnold in Aussicht stellt. Für Bürgermeister Wöllstein sind das ermutigende Signale: „Wir entwickeln uns sehr gut.“

Kirchberg im Hunsrück zeigt damit, dass ländliche Regionen durchaus als attraktive Wirtschaftsstandorte punkten können – mit verfügbaren Flächen, einer guten Infrastruktur und einer qualifizierten Belegschaft vor Ort. Während viele Städte und Gemeinden um Ansiedlungen kämpfen, kann sich Kirchberg offenbar den Luxus leisten, wählerisch zu sein.

Ein Zeichen gegen den Trend

Die 12-Millionen-Euro-Investition der Arnold-Gruppe in Kirchberg ist mehr als eine betriebliche Modernisierungsmaßnahme. Sie ist ein Signal in einer Zeit, in der Deindustrialisierung und Werksschließungen die Schlagzeilen dominieren. Für die mehr als 150 Beschäftigten am Standort bedeutet die neue Produktionsstraße Planungssicherheit – und für die Region Hunsrück ein weiteres Argument, als lebendiger Wirtschaftsraum wahrgenommen zu werden. Ob eine zweite Produktionshalle auf dem neu erworbenen Gelände folgen wird, bleibt abzuwarten. Die Weichen dafür sind jedenfalls gestellt.

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