
Trierer Winzer wollen mehr Termine am Weinstand auf dem Hauptmarkt – Stadt und Landkreis Trier-Saarburg streiten über die faire Verteilung der Ausschank-Tage.
Kennst du das auch? Du schlenderst über den Hauptmarkt, die Sonne scheint, und am Weinstand wird schon fröhlich angestoßen. Genau dieser Ort sorgt gerade für ordentlich Gesprächsstoff in Trier – und zwar nicht wegen des Weins selbst, sondern wegen der Frage, wer wie oft dort ausschenken darf.
Am Weinstand auf dem Hauptmarkt verkaufen derzeit 16 Trierer Winzerbetriebe ihren Wein, dazu kommen Betriebe aus den Verbandsgemeinden des Landkreises Trier-Saarburg. Organisiert wird das Ganze von der Trier Tourismus und Marketing GmbH, kurz TTM. Und jetzt haben die Trierer Winzer einen Wunsch geäußert, der für Diskussionen sorgt: Sie wollen mehr Verkaufstermine.
Der Grund ist simpel: Das Geschäft läuft. In der Saison von März bis Ende Oktober ist am Weinstand richtig was los, und die Trierer Betriebe sehen ihre Chance, stärker vertreten zu sein. Mit diesem Anliegen wandten sie sich an den Aufsichtsrat der TTM — ein Gremium, das aus Mitgliedern der Trierer Stadtratsfraktionen besteht.
Markus Nöhl, Kulturdezernent der Stadt Trier und Leiter des TTM-Aufsichtsrats, berichtet, dass der Wunsch nach stärkerer Berücksichtigung der Trierer Winzerbetriebe im Aufsichtsrat parteienübergreifend Unterstützung gefunden hat. Das ist schon mal bemerkenswert, denn so einig sind sich Stadtratsfraktionen nicht immer.
Konkret sieht der Plan so aus: Von insgesamt 67 Terminen sollen die Trierer Winzer künftig 34 erhalten — bisher waren es 17. Ab 2027 würde das für jeden einzelnen Trierer Betrieb zwei Termine bedeuten, denn laut TTM soll die Zahl der Trierer Winzerbetriebe bis dahin voraussichtlich auf 17 anwachsen. Für die Betriebe aus der Region außerhalb der Stadt Trier blieben dann 33 Termine übrig. Wichtig zu wissen: Beschlossen ist davon noch nichts. Es wird aktuell diskutiert.
Und genau an dieser Stelle kommt Landrat Stefan Metzdorf ins Spiel, der mit Nöhl ganz unterschiedlicher Meinung ist. Seine Sorge: Der Weinstand hat eine lange und gute Tradition als gemeinsames Aushängeschild der gesamten Weinregion — nicht nur der Stadt Trier. Eine einseitige Verdopplung der Termine für Trierer Winzer zulasten der übrigen Verbandsgemeinden, so Metzdorf, widerspreche diesem gewachsenen Miteinander. Er spricht sogar von einem Affront gegenüber dem Landkreis.
Das sitzt. Schließlich steckt hinter dem Weinstand eine Geschichte, die bis in die 1980er-Jahre zurückreicht. Damals wurde die Wein- und Tourismusförderung Trier-Land GmbH gegründet, mit dem erklärten Ziel, den Weinabsatz vor allem für Familienbetriebe aus Stadt und Landkreis gemeinsam zu fördern. 1985 mietete die Gesellschaft dafür einen Stand mitten in Trier an — seitdem ist er aus dem Stadtbild kaum wegzudenken.
Markus Nöhl widerspricht der Darstellung eines Affronts deutlich. Sein Argument: Aktuell hätten die Weinbetriebe der Verbandsgemeinden etwa drei Viertel aller Termine. Die Diskussion ziele also nicht darauf ab, den Landkreis zu verdrängen, sondern den Trierer Winzerbetrieben schlicht mehr Präsentationsmöglichkeiten zu eröffnen. Schließlich seien es ja auch die Trierer Weinberge, Weingüter und Weine, die das Profil der Stadt als Weinstadt maßgeblich prägen und erhalten — ein Argument, das man als Trierer schon nachvollziehen kann, oder?
Gleichzeitig betont Nöhl, dass der Weinstand weiterhin die Vielfalt der gesamten Weinregion zeigen soll. Die Betriebe aus Landkreis und Verbandsgemeinden leisten dafür nach wie vor einen wichtigen Beitrag — niemand will sie aus dem Bild drängen, so die Botschaft aus dem Rathaus.
Zwei Seiten, zwei nachvollziehbare Perspektiven: Hier die Stadt und die Trierer Winzer, die angesichts eines gut laufenden Geschäfts mehr Beteiligung einfordern. Dort der Landkreis, der um das gewachsene, gemeinsame Aushängeschild der Weinregion fürchtet. Beide berufen sich auf eine Tradition, die seit den 1980er-Jahren gewachsen ist — nur ziehen sie unterschiedliche Schlüsse daraus.
Am Ende ist noch nichts in Stein gemeißelt. Der Vorschlag mit den 34 zu 33 Terminen liegt auf dem Tisch, diskutiert wird weiter. Wir bleiben für dich dran, was aus dem Streit um den Weinstand wird — denn eins ist klar: Der Hauptmarkt und sein Wein gehören einfach zu Trier dazu, ganz egal, wer am Ende welchen Termin bekommt.
Quelle: Trierischer Volksfreund






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